Petersburg, Va. 10. September 1864


Sir,

im Folgenden möchte ich Bericht ablegen über die Tätigkeit der von mir kommandierten Arbeitsabteilung für den Zeitraum vom 10. – 12. September.
Am morgen des 10. wurden während des ersten Antretens Freiwillige aus der Companie aufgerufen um eine Stellung in vorderster Linie, die durch feindliches Mörserfeuer niedergelegt worden war, wieder in Stand zu setzen. Aus den Männern die zur Verfügung standen wurden außer meinerselbst der Sgt. T. Hoffmann, der Corporal M. Mayer, der Pionier P. Scuzj und die Gemeinen Gottsmann, Becker und Alber ausgewählt. Angesichts der Gesamtstärke der Companie war ein größeres Detail nicht entbehrlich.
Meine Abteilung erhielt nach dem Frühstück Rationen für zwei Tage und alles nötige Werkzeug. Gegen ca. 9 Uhr verließen wir den Lagerplatz der Companie. Der Anmarsch zur Stellung erstreckte sich etwa auf 2,5 mi, die wir in ca. 1 ½ Std. zurücklegten.
Wir fanden die Stellung in denkbar schlechtem Zustand vor und begannen unverzüglich mit der Arbeit. Leider konnten wir angesichts unserer minimalen Mannschaftsstärke nur einen notdürftige Reparatur der Anlage erreichen.
Es wurden von uns die niedergelegten Brustwehren und Fences wieder aufgerichtet. Verschüttete Grabenabschnitte wurden frei gemacht. Einige Lücken in der Linie wurden provisorisch aber ausreichend mittels spanischer Reiter verschlossen. Des Weiteren wurde ein nicht geschützter Unterstand für die Nachtruhe der Abteilung hergestellt.
Ich kann melden, daß hier eine gegen Infanterie und leichte Artillerie einigermaßen geschützte Stellung errichtet wurde. Die Arbeiten dauerten bis Sonneuntergang, also bis ¼ vor 8 an. Danach wurde Verpflegt und zeitig Nachtruhe befohlen. Es wurden Posten ausgebracht.
Wir haben den ganzen Tag und auch des nachts vom Feinde nichts gesehen.
Am 11. September wurde um 6 Uhr geweckt. Befehlsgemäß setzte sich die Abteilung in Stand die Stellung bei Eintreffen der Ablösung zu räumen. Es war uns durch Melder bekannt, daß meine Abteilung wieder in Glied treten sollte und spätestens ½ 10 Uhr zur Dressparade im camp eintreffen sollte. Auf schriftliche Anweisung meines Companiechefs und gegen meine persönliche Überzeugung verließen wir die Stellung um 8 Uhr und marschierten Richtung camp. Daselbst trafen wir gerade rechtzeitig zur Parade ein. Wir waren nicht abgelöst worden, die Stellung war verwaist.
Ich möchte nicht versäumen, den Männern meiner Abteilung meine uneingeschränkte Hochachtung und Anerkennung zum Ausdruck zu bringen. Ein jeder von ihnen hat sich als fleißig, umsichtig und mutig erwiesen. Hätte uns der Feind in unserer Situation gestellt, wäre keiner von uns davongekommen – das war jedem von uns bewusst. Das das Ergebnis unserer Bemühungen so ohne Wert dem Feinde preisgegeben wurde hat sicherlich nicht zur Motivation dieser hervorragenden und erfahrenen Soldaten beigetragen. Ich erlaube mir eine Abschrift dieses Berichts an den CO der Pioneerbrigade beim Armeecorps zu übersenden.


gez. 2nd Lt. A.M.Zachow
Comp. A, 45th Reg. of Inf. N.Y.V.V.



Orginalfassung des reports